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das Blog von Sebastian Michalke

Soll Silvio Meier eine eigene Straße erhalten?

Im November 1992 wurde Silvio Meier von Neonazis getötet. Nun soll er eine eigene Straße erhalten. Aber zurecht?

Jedes Jahr treffen sich Tausende von Bürgern, um gegen den “Mord” von Silvio Meier zu demonstrieren. Denn – so hört man – wurde er am 21. November 1992 von Neonazis am U-Bhf Samariterstraße ermordet. Nun lädt der Bezirksbürgermeister Franz Schulz heute Abend ab 18 Uhr zu einer offenen Veranstaltung ein.
Dort (in der Galiläa-Kirche – Rigaer Straße 9) soll beschlossen werden, wie man ihm in Zukunft gedenken kann. Groß im Rennen, soll wohl die Umbenennung der Gabelsbergerstraße sein.

Jetzt kann man denken: „Warum nicht, schließlich war er ein Mordopfer der rechten Szene“. Leider stimmt das nur halb.

Was man dabei „vergisst“ sind folgende Punkte:

  • Die Tat war eine Art „Rache„. Er hatte sich (zusammen mit seinen Freunden) gegen acht Neonazis geprügelt. Dabei hatte er einem Nazi einen „rechtsextremen“ Aufnäher abgerissen. Als es später erneut zu einer Begegnung kam, stachen die Nazis auf die Gruppe ein. Silvio Meier wurde dabei getötet, zwei seiner Freunde schwer verletzt.
  • Die Jugendstrafkammer des Kriminalgerichts Berlin-Moabit verurteilte am 2. Oktober 1993 den 17-jährigen Täter wegen Totschlags (kein Mord) zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

Was möchte ich damit sagen?

Auch wenn Silvio Meier dabei ums Leben gekommen ist (was ich zu keiner Zeit gutheiße) – so hat sein Tod nicht mehr Bedeutung als der von anderen Opfern. Im Prinzip ist diese Auseinandersetzung nichts anderes gewesen, was auch heute (leider) sehr oft unter Jugendlichen passiert. Menschen werden abgestochen oder auf offener Straße erschossen. Sehr heftig – aber erhalten diese Opfer deshalb nun ein Denkmal oder eine Straße nach ihrem Namen? Nein!
Gerne sollen auch weiterhin die Menschen auf die Straße gehen und gegen diese Tat demonstrieren. Aber (meiner Meinung nach) bedarf es keines weiteren Andenken an ihn. Er hat schließlich bereits am U-Bhf Samariterstraße seit vielen Jahren eine Gedenktafel (auch etwas, was viele andere Opfer bisher nicht erhalten haben).

Wie immer spiegelt das meine persönliche Meinung wieder. Ich bin selber Berliner und wohne seit vielen Jahren in Friedrichshain – wo ich sehr glücklich mit dem Mix zwischen Kiez, Freiheit und Alltag bin.

2 Kommentare

  1. Hm, ich denke, er soll nur als eine Art „Stellvertreter für rechte Gewalt“ einen Straßennamen bekommen. Wenn man alle Opfer von irgendwas namentlich irgendwo im Land verewigen wollte, hätte man viel zu tun. Es muss immer irgendeinen „Stellvertreter“ geben, denke ich.

    Ich kenne den Fall von Silvio Meier – muss ich ehrlich gestehen – nicht sehr genau. Aber ich denke, dass das Abreißen eines Aufnähers sicher kein Grund ist, jemanden umzubringen. Okay, vielleicht ist das in Berlin anders…

    • Sebastian

      27. April 2012 at 11:25

      Nee das ist in Berlin nicht anders. Aber es gab nur einen Auslöser für die Gegenreaktion.
      Das ist doch bei jedem Gewaltakt auf der Straße so. Egal ob der andere „einem nicht gefällt“ und daher zu tode gepügelt wird oder eben um „nur“ ne Jacke und Handy abzuziehen. Wenn man Gewalt will, wird man sie finden, egal in welcher Situation.

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