Erfahrungsbericht: Unsicht-Bar / Dunkelrestaurant Berlin

Erfahrungsbericht: Unsicht-Bar / Dunkelrestaurant Berlin


Ja wo soll ich beginnen? Es war schei├če Dunkel ­čśë

Vor Rund einem halben Jahr habe ich meiner Frau u.a. diesen Besuch im Dunkelrestaurant zum Geburtstag geschenkt. Letzte Woche war es dann soweit.

Eingangsbereich

Das Restaurant ├Âffnet ab 18 Uhr. Wir haben uns einen Tisch zu 19:15 Uhr bestellt. Dazu sei gesagt. Am Wochenende bedarf es 2 Wochen Vorlaufzeit. Unter der Woche kann man bereits innerhalb von einer Woche einen Termin erhalten.

Wenn man durch die recht unscheinbare Eingangsfront das Restaurant betritt, vermittelt der „Vorraum“ einen das Gef├╝hl, als wenn man sich in einer langen Bar mit wenigen Tischen befindet. Zuerst legt man (nat├╝rlich noch im Hellen) selbstst├Ąndig seine Garderobe ab und wird am Tresen freundlich begr├╝├čt. Anschlie├čend kann man an einem der Tische seinen Speisewunsch und Getr├Ąnke aufgeben. Dabei habe ich mich f├╝r das „├ťberaschungsmen├╝“ entschieden. Wenn schon, denn schon ­čÖé

Nach wenigen Minuten ging es dann auch schon los. Tino, unser blinde Kellner f├╝r diesen Abend stellte sich uns vor uns. Dazu gab es dann auch eine kurze Einweisung zum Dunkelrestaurant.

Wenn wir einen Wunsch oder Problem haben, einfach ihn rufen.
Sofern wir auf die Toilette m├╝ssen, ihn ebenfalls rufen.
Nicht selbstst├Ąndig das Restaurant verlassen, es besteht hohe Verletzungsgefahr. Er begleitet uns gerne jederzeit raus. Handy ausschalten – ebenso alles, was leuchten kann: Selbst Armbanduhren, die ein beleuchtetes Display haben.

Nachdem das gekl├Ąrt war, ging es los. In einer Reihe aufgestellt (Polonaise) haben wir uns auf den Schultern festgehalten und sind Richtung Schleuse.

Die ersten Minuten in der Dunkelheit

Die Schleuse sind nicht 2 T├╝ren, wie ich es mir erst vorgestellt hatte. Sondern ein Zickzack-Weg (ca. 3x je 3m in jede Richtung), um so das Licht komplett drau├čen zu lassen.

Erst d├Ąmmerte es nur, aber jeder weitere Meter wurde es dunkler. Als es pl├Âtzlich wirklich schwarz vor den Augen war, war es schon sehr ungewohnt. Meter f├╝r Meter sind wir weitergelaufen durch die Schleuse (rechts und wieder links) bis es langsam immer lauter wurde: Wir hatten den Restaurantbereich betreten.

Tino f├╝hrte uns zielgerecht durch den gro├čen Raum. Rechts und links h├Ârte man Menschen reden und essen – wie in jedem anderen Restaurant auch. Eine sehr ungewohnte, beklemmende Situation, wo wir beide (sp├Ąter erfahren) etwas Panik bekommen hatten. Alles ist schwarz, du bewegst dich und h├Ârst fremde Dinge.

Wer denkt, das nach 5m Schluss war der irrt. Erst nach ca. 20m Weg hatten wir unseren Tisch erreicht. „Hier k├Ânnt ihr euch hinsetzen“ ├äh – Wo ist der Stuhl?

Tino hat jeden von uns beim Hinsetzen geholfen (wir haben uns extra nebeneinander und nicht gegen├╝ber hingesetzt). Nach dem „Uhr“-Prinzip wurde uns erkl├Ąrt, wo wir welches Besteck und Getr├Ąnk finden. Dann lie├č er uns kurz allein, um uns den ersten Gang zu servieren.

Inzwischen ging es. Nat├╝rlich war man weiterhin irgendwie verwirrt, aber es war spannend und lustig mit dem Tast- und H├Ârsinn alles andere zu erahnen. Man war schlie├člich „nur“ in einem Restaurant (ohne Licht). ­čÖé

Das Essen

Wir hatten uns f├╝r das 4 G├Ąngemen├╝ entschieden (Salat, Suppe, Hauptspeise und Nachtisch). Der Salat war noch recht einfach. Bei der Suppe mussten wir beide schon lachen. Denn mir ist die Suppe immer wieder vom L├Âffel getropft (h├Ârt man ja nur). Jedoch wurden die Geschmackssinne hier schon getestet.
Als die Hauptspeise kam, hab ich leider (sp├Ąter erfahren) komplett versagt ­čśë Geschmacklich dachte ich war mein „├ťberaschungsmen├╝“ wie folgt:
H├╝hnerbrust (nur etwas trocken), Kartoffeltaler und ein Gem├╝se (was ich kenne, aber nicht zuordnen konnte).

Aufl├Âsung ├ťberraschungsmen├╝
Nix mit H├╝hnerbrust.
Es gab Hirschkeule (ohne Knochen), Kn├Âdeltaler und geraspelter Kohl ­čśë

Der Nachtisch war wieder einfacher. Mouse, Eis und Schokolade – lecker!

Inzwischen hat man sich recht gut auf die Dunkelheit eingestellt. Vielleicht auch, weil man nun seit ├╝ber einer Stunde gemeinsam an einem Tisch sa├č und sich nicht bewegte. Wer wei├č.
Nach fast 1 1/2 Stunden waren wir fertig und Tino hat uns sicher Richtung Ausgang gef├╝hrt. Auf der H├Ąlfte der Schleuse, kamen uns die ersten Lichtstrahlen entgegen und man versp├╝rte ein sicheres Gef├╝hl – obwohl man ja jederzeit sicher war.

Fazit

Eine unglaubliche Erfahrung. Schwer zu beschreiben. Denn selbst in der Nacht ist man ja immer mit etwas Licht umgeben. Stra├čenbeleuchtung, Mond, usw. Aber komplett ohne Licht haben sicherlich nur die wenigsten Menschen von uns einmal erlebt.
Wir finden, eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte. Ob ich es jedoch noch einmal machen w├╝rde? Eher nicht. Warum kann ich nicht sagen. Trotzdem kann ich es nur jedem empfehlen.
Es ist schlie├člich keine Achterbahnfahrt oder so. Sondern man verzichtet bzw konzentriert sich auf alle anderen Sinne.
Besonders sch├Ân fanden wir, dass man Blinde in „ihrem“ sicheren Element erleben konnte. Keiner starrt sie an, oder versucht ihnen zu helfen. Hier helfen sie dir ­čÖé

Fakten zur Unsicht-Bar Berlin

Tino hat sich zum Ende noch kurz mit uns unterhalten, wo wir einige Fakten zum Restaurant erfahren konnten. Das Restaurant hat eine Fl├Ąche von 250qm mit 65 Tischen (!), wo zeitgleich ca. 170 G├Ąste platz haben. Also nichts mit kleiner Imbissbude ­čśë Fast alle Kellner sind blind bzw sehbehindert. Kommuniziert wird per Telefon zum Empfang. Irgendwie logisch, man kann ja nicht alle 5min rauslaufen, um nachzufragen. ­čśë
Wer es einmal erleben m├Âchte, sollte wie bereits gesagt 1-2 Wochen vorher planen.

Wer weitere Fakten haben m├Âchte:
Unsicht-Bar Berlin (gibts auch in K├Âln und Hamburg)
www.unsicht-bar-berlin.de


[Gesamt:    Durchschnitt:  /5]

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