Garmin Forerunner 970 im Test: Fast zurückgeschickt – warum sie am Ende blieb

Diese Uhr sollte letzte Woche zurück. Heute trage ich sie immer noch – und ich hätte fast einen Fehler gemacht. Das ist Teil 2 meiner Serie auf der Suche nach dem Nachfolger für die Apple Watch Ultra 2. Heute geht’s um die Garmin Forerunner 970.

Das Fazit vorweg

Die Forerunner 970 wäre bei mir fast durchgefallen – wegen ständiger Verbindungsabbrüche, versteckter Sprachausgabe und einem umständlichen Kraftsport-Handling. Nach einem ehrlichen 24-Stunden-Dauertest und ein bisschen Selbstreflexion ist für mich klar: Die 970 ist rehabilitiert. Die meisten Probleme waren Bedienungssache – wenn man weiß, wie es geht, funktioniert sie prima.

Warum überhaupt die Forerunner 970?

Nach der Apple Watch Ultra 2 mit ihren nur zwei Tagen Akku standen Fenix 8 und Forerunner 970 auf meiner Liste. Geworden ist es die 970: elegant, mit Saphirglas geschützt, Telefonfunktion, Anbindung an Apple Health und Runna-Kompatibilität. Auf dem Papier eine tolle Sache.

Ich habe sie also einige Tage ganz normal im Alltag genutzt und damit trainiert. Und bin dann leider auf diverse Probleme gestoßen.

Was mich sofort überzeugt hat

Fangen wir mit dem Positiven an, denn davon gibt es reichlich:

  • Datenfülle: Statistiken, Auswertungen, Metriken – Garmin liefert richtig, richtig viel.
  • AMOLED-Display: Das sieht einfach schön aus.
  • Offline-Karten: Komplett Europa in der Tasche. Du navigierst dich hin, wohin du willst.
  • Komoot-Anbindung: Selbst erstellte Routen direkt auf die Uhr laden und losnavigieren.
  • Live-Sync / LiveTrack: Bei der Radtour das Smartphone vorne montieren, Live-Karte sehen, Route unterwegs ändern – wird auf Uhr und Handy synchronisiert.
  • Akku: Ich komme von zwei Tagen bei Apple. Hier reden wir eher über zwei Wochen. Im Urlaub konnte ich mich problemlos zu Sehenswürdigkeiten und auf Wanderungen navigieren lassen, ohne ständig ans Laden zu denken.

Navigation im Alltag ist clever gelöst: Ort auf „Teilen“ klicken, Garmin Connect wählen, Route landet sofort auf der Uhr, Sportart auswählen – fertig.

Die Probleme (erste Runde)

Und dann kamen die negativen Punkte, die mich fast zur Rückgabe bewogen haben:

  1. Ständige Verbindungsabbrüche. Ab Tag 1 musste ich die Uhr mindestens einmal täglich neu mit dem Handy koppeln. Ohne Verbindung keine Datenübertragung – und Änderungen in Garmin Connect wurden nicht synchronisiert.
  2. Sprachausgabe funktionierte nicht zuverlässig. Beim Laufen willst du nicht 20 Minuten in den Einstellungen wühlen. Ist mir dreimal passiert – einfach nur nervig.
  3. Kraftsport ließ sich nicht editieren. Die Uhr erkennt Übungen und Wiederholungen ganz gut, aber ich bekam falsche Werte nicht korrigiert – und die wurden dann auch noch fehlerhaft an andere Apps weitergegeben.

Dazu kommt: Die Weboberfläche wirkt veraltet und die App ist unübersichtlich. Einen Trainings- oder Wochenplan dort zu erstellen, macht schlicht keinen Spaß.

Zweite Chance: der 24-Stunden-Dauertest

Bevor die Uhr endgültig zurückging, wollte ich fair sein: 24 Stunden Dauertest mit Laufen, Krafttraining, allem. Gleichzeitig habe ich mein eigenes Verhalten reflektiert – was war vielleicht mein Fehler? Und siehe da, die drei großen Probleme haben sich alle aufgelöst:

1. Verbindungsabbrüche -> App niemals schließen

Die wichtigste Erkenntnis: Du darfst die Garmin-Connect-App auf dem Handy niemals schließen. Dann ist alles tot, die Verbindung reißt ab, die Uhr wird nicht mehr gefunden. Morgens stellt sich die Verbindung nach dem Flugmodus schnell wieder her – aber nur, wenn die App im Hintergrund läuft. Seitdem hatte ich genau einen Abbruch, und der ist schon einige Tage her.

2. Kraftsport -> das „Bearbeiten“ ist tief versteckt

Mein Fehler beim ersten Mal: Ich habe an der falschen Stelle gesucht. Du klickst auf „Bearbeiten“ und kannst oft nur die Zeit ändern. Die einzelnen Wiederholungen editierst du erst, wenn du ganz unten auf den Namen bzw. die Wiederholung klickst. Nicht intuitiv – aber wenn man’s weiß, funktioniert es.

3. Sprachausgabe -> auf „Uhr-Ausgabe“ umstellen

Bei mir stand die Ausgabe auf „verbundenes Gerät“. Kopfhörer waren aber nicht verbunden, oder die Ausgabe übers Smartphone war zu leise. Umgestellt auf Uhr-Ausgabe – zack, hat funktioniert. Auch das war letztlich mein Fehler, weil die Einstellung einfach zu versteckt ist.

Mein Kraftsport-Workflow mit Bevel

Weil mir die Trainingsplanung in Garmin Connect zu altbacken ist, sieht mein Workflow so aus: Ich nutze weiterhin Bevel als Übersicht und ziehe dort meinen Trainingsplan durch. Auf der Garmin starte ich gleichzeitig eine Kraftsport-Session. Rund 50 % der Einheiten und 70 % der Wiederholungen werden erkannt. Danach bearbeite ich alles in der Garmin-Connect-App, damit das Training mit Puls gespeichert wird.

Warum nicht gleich alles in Garmin Connect? Weil mir dort Features fehlen – ich kann zum Beispiel nicht rückblickend sehen, was ich beim letzten Mal trainiert habe, und darauf aufbauen. Das klappt in Bevel deutlich besser.

Beim Laufen dagegen gab es null Probleme: Runna synchronisiert automatisch, ich sehe genau, wann ich was laufen muss, inklusive der einzelnen Intervalle.

Forerunner 970 im Vergleich

Wo die 970 preislich und technisch gegenüber den Alternativen steht:

ModellDisplayAkku (Smartwatch)GewichtEKGStraßenpreis
Garmin Forerunner 970AMOLEDca. 15 Tage56 gJaca. 570 €
Garmin Fenix 8 (47 mm, AMOLED)AMOLEDca. 16 Tage73 gJaca. 820 €
Apple Watch Ultra 2AMOLEDca. 2 Tage61 gJaca. 800 €

Für wen ist die Forerunner 970 die richtige Uhr?

Wer ein AMOLED-Display, extrem viele Daten, Offline-Karten und einen langen Akku will – und bereit ist, sich einmal in die Eigenheiten des Garmin-Kosmos einzuarbeiten – bekommt eine richtig starke Uhr. Ehrlich gesagt ist das bei Apple nicht anders: Auch da kann die Uhr allein erstmal wenig. Erst im Zusammenspiel mit den richtigen Apps und dem passenden Workflow spielt sie ihre Stärken aus.

Und wer beim Kraftsport bereit ist, einen kleinen Kompromiss einzugehen, hat mit der 970 eine wirklich schöne, schicke Uhr.

➡️ Zur kompletten Smartwatch-Vergleichstabelle (30+ Modelle)

Wie geht es weiter?

Die Garmin bleibt im Rennen. Aber es liegen noch zwei COROS-Uhren auf dem Tisch – und eine hat mich richtig enttäuscht. Mehr dazu in Teil 3:

➡️ Teil 3 – COROS Pace Pro vs. Apex 4
⬅️ Teil 1 – Apple Watch Ultra 2 und der Akku-Frust

FAQ

Warum verliert die Garmin Forerunner 970 ständig die Verbindung zum Handy?
In meinem Fall lag es daran, dass die Garmin-Connect-App auf dem Smartphone geschlossen wurde. Lässt man die App im Hintergrund laufen, sind die Verbindungsabbrüche so gut wie Geschichte.

Wie aktiviere ich die Sprachausgabe bei der Garmin Forerunner 970?
Pro Sport-Session lässt sich einstellen, ob die Ausgabe über die Uhr, ein verbundenes Gerät oder gar nicht erfolgt. Steht sie auf „verbundenes Gerät“ ohne gekoppelte Kopfhörer, hörst du nichts. Auf „Uhr-Ausgabe“ umstellen löst das Problem.

Wie bearbeite ich Kraftsport-Wiederholungen in Garmin Connect?
Nicht über den offensichtlichen „Bearbeiten“-Button, der oft nur die Zeit ändert. Du musst ganz unten in den einzelnen Sätzen auf den Namen der Wiederholung tippen – erst dann lässt sich alles anpassen.

Ist die App/Weboberfläche von Garmin gut?
Sie ist funktional, wirkt aber veraltet und ist recht verschachtelt. Mit einem eingespielten Workflow kommt man aber gut damit klar.


Und du? Wie lange brauchst du, um dich zu entscheiden – und hättest du der Uhr eine zweite Chance gegeben oder sie direkt zurückgeschickt? Schreib es mir in die Kommentare.

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