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das Blog von Sebastian Michalke

Perverse Werbung: Postkarte von Michelle

Vor wenigen Tagen kam wie sonst auch Post ins Haus. Diesmal sogar mit einer Postkarte. Der erste Blick aufs Motiv Mallorca. Ich hätte fast gedacht, das mir Gilly schreibt 😉 aber weit gefehlt. Eine mir unbekannte Michelle schrieb mir einen „Brief“. Mit „Herzchen“ und den Worten „Papa“ und „schau mal hier…“

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Total verwundert musste ich mir die Karte doch nochmal genauer ansehen. Und da erkannte ich schon den fiesen Trick. Infopost von der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Eine Institution, der ich vor einigen Jahren gerne „beigetreten“ bin um im Fall der Fälle einen fremden Menschen zu helfen.
Hat nie was gekostet (außer ner Speichelprobe) und ab und zu Werbung von denen, wen sie alles schon helfen konnten. Toll – aber interessiert mich eher wenig. Ist einfach so. Gerne helfe ich im Notfall, aber lasst mich sonst in Ruhe mit der Werbung.

Diese Postkarte aber nun schlug dem Fass den Boden aus. Eigentlich wollte ich die Karte gleich wegschmeißen, hab sie aber später meiner Frau auch gezeigt. Sie musste auch erstmal schlucken „wer ist denn Michelle?“.

Eine perverse Art Werbung zu machen, nur das der Kunde die Karte nicht gleich in Müll schmeißt. Ganz ehrlich, was soll ich denn sonst mit dieser Info anfangen? Toll das jemand gerettet wurde, aber was bringt mir das?

Also bitte liebe DKMS – lasst mich mit dieser Infopost-Scheiße in Ruhe und gebt das Geld für sinnvolleres aus. Danke

6 Kommentare

  1. Ganz schön schräge Angelegenheit. Ich frage mich auch immer wieso solche Organisationen so viel Geld für Werbung ausgeben, aber anscheinend rentiert sich das. Die haben aber eine ganz schön aufwändige Kampagne gestartet. Wenn man deren Website besucht, erhält man auch gleich den Hinweis auf „Mallorca“ und dass Michelle überlebt hat…

    • Sebastian

      26. Mai 2013 at 10:51

      Zumal das eine gemeinnützige Organisation ist. Da weiß ich, dort werde ich kein Geld spenden. Wenn es für so eine Kampagne drauf geht.

    • Das Problem dabei ist, dass erst mit Werbung mehr Spenden reinkommen. Irgendwie müssen die Leute ja auf die Organisation aufmerksam werden. Aber wie hier das Geld für eine Kampagne rausgeworfen wird, finde ich alles andere als sinnvoll. Da würde ich auch nicht (mehr) spenden wollen.

  2. Meine Freundin hatte diese Infopost-Karte auch in der Post und hat mir die ebenfalls erstmal gezeigt. Wir hatten uns an der Uni Bielefeld vor langer Zeit typisieren lassen. Ich hab generell nichts gegen die Infopost. Hast Du mal versucht da anzurufen und die zu bitten Dich aus dem Werbeverteiler zu nehmen? Vielleicht machen die das ja.
    Die Werbung fand ich dann aber auch makaber und so täuschend echt auf den ersten Blick. Ich finde, dass das aber auch der falsche Weg ist. Sie sollten doch lieber auf Plakaten um Knochenmark-Spender werben und nicht die bereits typisierten, erfassten Spenderkandidaten für Geldspenden.
    Christopher kürzlich veröffentlicht..MX Revolution: Akku tauschen – LED blinkt rotMy Profile

  3. Hmm, wenn ich ehrlich bin verstehe ich die Aufregung überhaupt nicht und kann auch nicht nachvollziehen was an dieser Art der Werbung „pervers“ sein soll. Aus Marketingsicht hat die DKMS mit dieser Kampagne zumindest ein Ziel erreicht: Sie ist in aller Munde und Grundlage für zahlreiche Diskussionen.

    Du hast es doch selber beschrieben was bisher passiert ist, wenn du Werbung von DKMS erhalten hast: „ab und zu Werbung von denen, wen sie alles schon helfen konnten. Toll – aber interessiert mich eher wenig. Ist einfach so.“

    Nun gut, es ist deine Sache wie du damit umgehst. Aber genau das wird hunderttausendfach passieren und die Werbung landet sofort im Müll. Werbung ist teuer! Damit sie in der heutigen Zeit ihr Ziel nicht verfehlt, müssen Werbetreibende andere Wege gehen und noch kreativer werden. Hier geht es aber auch um einen guten Zweck und die Macher haben das erreicht was sie erreichen wollten.

    Ich finde an dieser Art der Werbung überhaupt nichts pervers oder verwerflich. Genauso ist es nicht pervers und verwerflich wenn ich auf einer Landstraße fahre und mich von einem Plakat am Straßenrand traurige Augen einer jungen Mutter mit Kind auf dem Arm ansehen, die das Bild von ihrem verstorbenen Mann in der Hand hält und daneben steht in großen Buchstaben „Runter vom Gas!“

    Auch hier wird zumindest bei mir (und ich hoffe bei vielen anderen auch) der Effekt erzeugt, der erzeugt werden sollte: Ich werde wachgerüttelt und denke nach – leider haben heutzutage viele das Denken und Nachdenken verlernt…

    • Sebastian

      28. Juni 2013 at 11:08

      Das die Agentur „gute“ Arbeit geleistet hat, das sie es geschafft hat das man darüber spricht das streite ich nicht ab. Ich bin nur mit der Art und Weise der Werbung nicht einverstanden. Denn wann bekommt man heute noch eine Postkarte und dann (so ging es uns) ließt man erstmal nur: „Vater“, „Michelle“, „Deine“ usw. Da ging es nicht nur mir komisch, sondern eben auch meiner Frau, die da erst dachte das wär was ernstes.

      Bei gemeinnützigen Unternehmen, verstehe ich besonders nicht wieso man weiterhin mit teuren Werbemittel zugemüllt wird. Dann doch lieber die Leute ansprechen, die man eigentlich auch erreichen will: Neue Spender/Kunden.

      Das ist ja nicht nur hier so, sondern erlebe ich bei Greenpeace und anderen Firmen auch so.
      Da brauche ich kein Robben-Baby um zu spenden, sondern mache das eh bereits per Dauerauftrag. Dann lieber das Geld in die Aktionen stecken und nicht in Werbung.

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