Filmkritik: Casino Undercover

Filmkritik: Casino Undercover


Kennt ihr diese Tage, an denen man durch Netflix scrollt und Filme entdeckt, die ihr noch nie auf eurem Radar hattet. Oder von denen ihr nie etwas gehört habt – trotz einer halbwegs guten Besetzung? So erging es mir vor kurzer Zeit, als ich Casino Undercover mit Amy Poehler, Jeremy Renner und Will Ferrell entdeckte. Zeit für eine kleine Filmkritik.

Ohne Spoiler in die Welt zu setzen: Es gab einen Grund, warum der Film bisher nicht auf meiner Liste auftauchte. Klar, es mangelt nicht an Kinostarts. Doch einige Veröffentlichungen sind auch noch mit der Zweitauswertung im Home Entertainment interessant. Casino Undercover sollte dagegen wohl schnell ausgewertet werden und in den Tiefen der Netflix-Bibliothek verschwinden, wie bereits andere Webseiten meinten.

Aber ganz von vorn

Für das College-Studium ihrer Tochter haben Kate und Scott jahrelang gespart. Mit einer Aufnahme an der renommierten Buckley Universität tat das Elternpaar auch gut daran, denn die Semesterkosten sind höher als erwartet. Allerdings verlieren die Pechvögel mit einem Schlag all ihr Geld und stehen vor einem Scherbenhaufen. Ihrer Tochter erzählen sie davon nichts. Sie schmieden einen Plan, ein Casino in ihrem Keller zu eröffnen, und haben die benötigte Summe schon bald zusammen. Aber warum aufhören, wenn die Geldquelle noch sprudelt?

Immer weitere Kreise zieht ihr kleines Imperium im beschaulichen Vorort. Als aber eine kriminelle Gang rund um den gefürchteten Tommy von der Sache Wind bekommt, zieht sich die Schlinge immer enger um den Hals des naiven Paares. Was sich als spontane Idee entpuppte, scheint ihnen nun zum Verhängnis zu werden.

Quelle: Pixabay

Komplett verspielt

Als Komödie ausgelegt geht der Film einen guten Weg. Die Grundidee ist lustig: Amy Poehler ist für ihren eigensinnigen Humor bekannt und Will Ferrell mag zwar in Deutschland keinen Fuß fassen können, doch in den USA wird er gefeiert. Mit Bourne-Aushilfe Jeremy Renner gibt es zudem noch eine Prise Action. Was kann also schon schief gehen? Alles!

Denn was sich die Drehbuchautoren Brendan O’Brien und Andrew Jay Cohen, der auch auf dem Regiestuhl Platz nahm, ausgedacht haben, ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung an platten Sketchen. Selbst auf eine Skat-Karte passt mehr Inhalt als sich offensichtlich im gesamten Drehbuch befindet. Die Zeit, die sich der Film im Intro lässt, wird in der kompletten Finalszene so abrupt nachgeholt, dass man sich als Zuschauer fragt, warum der Mittelteil überhaupt benötigt wurde. Zudem scheint Regisseur Andrew Jay Cohen das Mittel der Zeitlupe dermaßen zu mögen, dass Würfel, Gläser, Menschen und Gespräche damit versehen wurden. Um als dramaturgischen Effekt zu überzeugen, braucht es eine entsprechende Basis. Diese fehlt vollständig! 

Quelle: Pixabay

Jackpot verfehlt

Klar, dass sich Hollywood-Komödien nicht immer an der Realität orientieren müssen. Doch etwas Nähe hätte den Film denoch nicht geschadet. Ein zufälliger Lotteriegewinn oder das Abarbeiten von Bonus-Spielen im Online Casino, die man wie hier in übersichtlicher Form vorfindet, wären ein logischer Ansatz gewesen, der Realität etwas Tribut zu zollen. Doch der naive Ausflug der Vorstädter in die Casino-Branche ist an jeglicher Kausalität vorbeigeschossen.

Meine Empfehlung: Manchmal gibt es gute Gründe, warum Netflix nicht jeden seiner Neuzukäufe kommuniziert. Einige Lizenzen sollten einfach in den digitalen Archiven liegen und in Ruhe schlummern. Dieser Film ist keinen Einsatz wert.


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